Jetzt habe ich es jahrelang probiert, habe bei Produktionen
Praktika gemacht und durfte Brötchen schmieren und Kaffee kochen, aber
keiner hat einem irgendwas beigebracht über Film. Ich habe versucht an
Filmschulen zu kommen... Ablehnung, Ablehnung, tut uns leid, na ja den
ganzen Mist.
Christina Severin
Ich finde es absolut scheißschwer, im Filmbereich einen Fuß in die
Tür zu kriegen. Und ich habe keineswegs überzogene Ansprüche. Einfach
nur mit anpacken – da krieg ich natürlich gleich zu hören dass sie da
lieber junge Männer einstellen.
Und Praktika im kreativen Bereich, auch Fehlanzeige. Ich habe extra
eine auch technisch sehr anspruchsvolle Fotodesign-Ausbildung gemacht um
bessere Chancen zu haben, aber meint ihr auch nur ein Kameramann lässt
mich auch bloß das Stativ tragen?
Wenn ich dann höre, wie die ihre Freunde und Privatbekannten ganz
selbstverständlich ins Team schleusen oder Artikel lese wie „das
Kamerahandwerk lernte Florian Ballhaus von seinem Vater“ – ja danke
– mit Protektion ist es immer einfach. Ich habe jedenfalls den Eindruck
dass die Filmwelt reichlich arrogante Leute anzieht die sich gerne
interessant machen indem sie ihre Kenntnisse wie ein Industriegeheimnis
hüten. Viel Wohlwollen gegenüber lernwilligem Nachwuchs habe ich
jedenfalls nicht erkennen können, von Verantwortungsgefühl gegenüber
jungen Berufskollegen (-aspiranten) ganz zu schweigen.
Vielleicht bin ich an die falschen Leute geraten, aber langsam hab ich
das Gefühl, es kann kein Zufall mehr sein.
Maja
Nach jahrelangem Versuchen, durch Klinkenputzen Fuß in der Welt des
Films in Deutschland zu fassen, habe ich diesen Weg nun aufgegeben und mit
einem Bekannten eine eigene Filmergruppe mit eigenem Equipment gegründet.
Klar – dafür braucht’s ein wenig Geld, aber mit DV lässt sich ja
schon so einiges machen. Ich denke durch viel Lesen und selbst angepackte
Praxis lässt sich viel lernen.
Ich habe natürlich auch vor, mich an einer Hochschule zu bewerben,
aber ich werde deswegen nicht meine Zeit mit Arschkriechen vergeuden,
sondern vielmehr SELBST produzieren. Dabei lernt man sicherlich mehr als
beim Stativschleppen.
Es kommt vor allem darauf an, was man im Praktikum lernen
will. Am Set werden üblicherweise immer Set-Runner gebraucht („hol mal
den Molton aus dem Wagen“). Für einen ersten Einblick ist das auch
recht nett, aber wirklich weiter kommt man damit nicht. Wenn man weiß, in
welche Richtung die Ausbildung gehen soll, kann man am Set die
entsprechenden Leute ansprechen und gleich nach Praktika Ausschau halten
– der persönliche Kontakt ist ein enormer Bonus!
Die Filmproduktion (Planung, Finanzierung, Management) ist ein
Spezialfall. Die Produzenten sind nicht bei allen Produktionen am Set und
das Arbeitsfeld ist eher das Büro. Wenn das der zukünftige Beruf werden
soll, dann ist eine Bewerbung bei einer Filmproduktion angesagt.
Produktion umfasst neben den Dreharbeiten sehr viel Projektentwicklung,
Finanzierung oder auch Vertriebsarbeit. Ein Produktionspraktikum bedeutet
also keineswegs automatisch Dreharbeit. Relativ nah an die Regie kommt ein
Praktikum im Bereich Regie/Kamera/Ton, da kann man ziemlich viel vom Dreh
mitbekommen.
Dennoch wer Regie machen will muss alle für sein Handwerk
relevanten (einschränkenden) Bereiche des Films kennen lernen. Also auch
Produktion. Das Geld ist immer das Limit. Außerdem bekommt man bei der
Produktion den besten Überblick über die Zusammenhänge.
Empfehlung: Wenn Regie der Wunsch ist – alle Stationen durchlaufen.
Denke Ton ist als Einstieg geeignet. Praktika in Produktion, Script, Regie
und Kamera sollten folgen.
Bogus
Praktikum als Videoeditor zur Hochschul-Vorbereitung
Ein oder zwei Praktika vor der Filmschule sind sicher sehr
nützlich. Es gibt unabhängig davon übrigens auch viele Filmstudenten,
die unter 24 sind. Videoeditor ist nicht so ideal als Vorbereitung für
den Regieberuf. Lieber ein Praktikum bei normalem Filmschnitt auf Avid
oder am Schneidetisch, das ist egal. Oder aber Praktika bei
Produktionsfirmen oder TV Sendern.
Movie-College-Team
Praktikum in München
München ist doch ideal! Unter der Webadresse http://www.messetreff.com
findest Du eine Liste der Filmproduktionen. Alle bei denen ein Punkt davor
steht, bieten Praktika an (Nicht jederzeit, aber zumindest
grundsätzlich). Dort kann man anrufen oder per E-Mail anfragen. Das ist
besser, als wenn Du blind überall hin Bewerbungen schickst. Lieber erst
fragen, ob Bedarf besteht und dann einen kurzen Lebenslauf schicken.
Movie-College-Team
Arte Zentrale: StrasbourgRue de la Fonderie
67080 Strasbourg
Tel: 0033-38814-0
Weitere Infos gibt es sicher auch über die Filmförderung
Baden-Würtemberg. Die können Anschriften von Produktionen nennen. Siehe
„Förderung“ im Movie-College.
Mit Empfehlungen ist es, was Berlin angeht, schwierig, da
wir die Doku-Szene vor allem in München (Peter Heller, Bertram Verlag
etc.) kennen. Es gibt aber verschiedene Wege, sich mit der Berliner
Doku-Landschaft vertraut zu machen.
Die Site der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm mit
Mitgliederverzeichnis deutschlandweit. agdok.de
Zudem kann man im TV (ARTE, 3sat und andere Sender, die „echte“
Dokus bringen) darauf achten, welche gefallen, und nachsehen, wer die
produziert hat. (Arte
Homepage etc.)
Eine sehr ausführliche Liste vieler Produktionen in NRW
findest Du auf der Homepage des Produzentenverbandes in NRW: www.vffv.de.
Anfragen, wo gerade ein Praktikum angeboten wird, dann sollte dem
erfolgreichen Einstieg nichts mehr im Wege stehen. Wenn Dich Praktika bei
laufenden Dreharbeiten interessieren, so gibt es einen guten
Produktionsspiegel zu Drehs in NRW auf der Homepage der Filmstiftung
unter: www.filmstiftung.de.
Movie-College-Team