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Die Kante (auch Haarlicht) ist eine der drei
klassischen Lichtquellen, die bei der Ausleuchtung einer Person zur
Anwendung kommt. Im Studio hängen alle erforderlichen Scheinwerfer von der
Decke, sind in ihrer Position und Höhe verstellbar und erlauben eine recht
freie Lichtgestaltung mit Führung, Aufhellung, Kante und Raumlicht. Die
Bilder dieses Kapitels zeigen unvollständige Lichtsituationen, bei denen
lediglich die Kante richtig gesetzt wurde.
Die
schönsten Lichttheorien können aber erhebliche Schwierigkeiten bereiten,
wenn man keinen Platz, keine Befestigungsmöglichkeiten
für das erforderliche Equipment oder zu wenig Strom zur Verfügung hat. Dann
ist sparsamer Einsatz von Lichtquellen gefragt. Ein weiteres Argument für
ökonomische Lichtplanung sind die niedrigeren Temperaturen, damit der Raum
nicht vor Scheinwerferhitze dampft und den Schauspielern vor jedem Take der
Schweiß abgetupft werden muss.
On Location drehen bedeutet, dass die Scheinwerfer meist auf Stativen
stehen, die man im Bild oder als Spiegelung in Glasscheiben oder Spiegeln auf
keinen Fall sehen darf. Je weniger Stative am Set herumstehen, desto
übersichtlicher ist es, desto freier können sich Team und Darsteller
bewegen.
Da das Licht für die Kante meist hinter dem Darsteller installiert wird,
ist das Stativ gefährdet, im Bild aufzutauchen. Wird nur mit einer Kamera
gedreht, so werden die Scheinwerfer für Führungslicht und Aufhellung
jeweils im Winkel von etwa 45 Grad links und rechts der Kamera aufgestellt,
sodass die Stative der Scheinwerfer nicht im Bild auftauchen.
Häufig genug gibt es in Innenräumen auch Fenster, durch die bereits
Licht auf das Motiv fällt. Je nach Intensität kann man durch das vorhandene
Licht auch Führung oder Aufhellung ersetzen, um Platz und Strom zu sparen
(vielleicht ist das Stromnetz ohnehin bereits an seiner Belastungsgrenze) und
das konkurrenzlos weiche Tageslicht zu nutzen.
Eine weitere Möglichkeit, Ressourcen zu sparen, besteht darin, das
Führungslicht zu nutzen und mithilfe eines Reflektors
von der anderen Seite des Darstellers indirekt aufzuhellen. Der Reflektor
kann im einfachsten (und meist auch schnellsten) Fall von Hand ausgerichtet
werden oder aber auf einem Stativ befestigt werden. Es vereinfacht die
optimale Ausrichtung des Reflektors ungemein, wenn dieser an einem Magic Arm
(beweglicher Gelenkarm mit Kugelgelenken) befestigt wird. Ändert der
Darsteller während der Einstellung seine Position, so ist es häufig
sinnvoll, die Aufhellung von Hand nachzuführen.
Betrachten wir die Kante (auch: Kopflicht, Back Light) etwas genauer. Noch
mal zur Erinnerung: Die Kante soll einen hellen Lichtrand um den Darsteller
herum erzeugen, um diesen vom Hintergrund abzuheben. Ein geschickter Umgang
mit diesem Teil der Drei-Punkt-Lichtführung im Zusammenspiel mit dem
Führungslicht erhöht entscheidend die Plastizität
der Aufnahme. Gerade der Kontrast
zwischen einem weicheren Führungslicht und Aufhellung zu einer harten Kante
verbessert den Bildeindruck.
Meistens bestimmen die Aufnahmebedingungen, wo Platz für den Scheinwerfer
für die Kante ist. Viele Kameraleute setzen die Kante zuletzt, wenn Führung
und Aufhellung schon stehen. Der Scheinwerfer soll sich oberhalb und hinter
dem Darsteller befinden, kann sogar direkt dahinter sein und vom Darsteller
verdeckt werden; ein Winkel von 45 Grad zur Achse
"Kamera-Darsteller" ist aber günstiger.
Wenn der Raum hinter den Darstellern gering ist, hat man keine
Möglichkeit, durch entsprechende Entfernung und einen passenden Winkel das Scheinwerferstativ
außerhalb des Bildausschnitts
aufzustellen. In diesem Fall kann man den Scheinwerfer entweder oberhalb der
Darsteller anklemmen (z. B. an einem Regal oder Wasserrohr) oder zwischen
zwei Raumwände ein Polecat spannen und den Scheinwerfer daran klemmen.
Wer mit wenig Geld auskommen muss, kann auch mit zwei Leitern, über die
eine Holzlatte oder ein PVC (Abflussrohr) gelegt wird, über den
Schauspielern ein Rig für die Befestigung des Scheinwerfers anbringen.
Eine weitere Alternative wäre es, einen leichten Reflektor (z. B. mit
Reflektionsfolie bespannter Styropor) in einem entsprechenden Winkel über
den Schauspielern an die Decke zu hängen und diesen mit einem Scheinwerfer
(Fresnel, Stufenlinser) außerhalb des Bildausschnitts anzustrahlen. Das von
der Folie reflektierte Licht bildet dann die Kante für die Schauspieler.
Wichtig ist in jedem Fall die richtige Höhe. Hängt der Reflektor oder
Scheinwerfer zu tief, besteht das Risiko, dass Licht in die Kamera strahlt.
Hängen Reflektor oder Scheinwerfer zu hoch, kann es passieren, dass die
Kante nicht nur Haar und Schultern, sondern über den Kopf des Darstellers
dessen Nase beleuchtet, ein absolutes Tabu!
Da die Kante nur einen sehr engen Bereich treffen muss, kann man mit
kleineren, stark fokussierbaren Lichtquellen (Stufenlinser, Fresnel)
arbeiten. Der Scheinwerfer für die Kante braucht nicht so viel Abstand zum
Darsteller wie Führung und Aufhellung.
Während diese evtl. den Darsteller selbst in einer Halbtotalen
ausreichend beleuchten müssen, braucht die Kante immer nur Hinterkopf und
Schulter zu treffen. Ein kleiner Spot mit niedrigerer Watt-Leistung kann
dafür völlig ausreichen. Wichtig ist, dass das Licht der Kante hart ist,
also nicht diffus und die maximale Leistung gebündelt erzielt wird.
Eine Variante für Nahe
bis Halbnahe, den Aufwand zu reduzieren, besteht darin, das Licht für
die Kante mit einem Reflektor, der sich vor dem Darsteller befindet, indirekt
auch für die Aufhellung zu verwenden. Dafür muss der Lichtkegel des
Scheinwerfers für die Kante etwas breiter und die Leistung ähnlich wie die
des Führungslichts sein. Auf diese Weise kann man mit zwei Scheinwerfern und
einem Reflektor ein Drei-Punkt-Licht realisieren.
Eine weitere Variation liegt vor, wenn durch eine logische Lichterklärung
im Raum (z. B. ein Fenster) seitliches Licht auf den Darsteller fällt. Dies
kann unter Umständen die Funktion von Führungslicht und Kante gleichzeitig
übernehmen. Dann ist ebenfalls nur noch eine zusätzliche Lichtquelle für
die Aufhellung erforderlich.
Wichtig ist, dass das Licht der Kante die Ausleuchtung von Führung und
Aufhellung nicht stört. Oft sieht man, wie die Kante sich noch über eine
Gesichtshälfte des Darstellers hinweg zieht und diese aufgrund der
Grundhelligkeit in diesem Bereich zu Überbelichtung führt. Moderne
Filmmaterialien können damit halbwegs umgehen, bei Video sieht man in
solchen Fällen statt Hautfarbe nur noch helles Weiß. Deshalb sollte man
darauf achten, mit dem Scheinwerfer für die Kante möglichst nur Haare und
Schultern zu treffen. |