Rezepte für das Drehbuchschreiben gibt es wie Sand am Meer. Und wie in
der Medizin sind die Rezepturen höchst unterschiedlich. Das ist auch ganz
verständlich. So unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich ihre
Geschichten und Ihre Sichtweisen.
Doch einige Dinge gibt es dann doch, die man sich beim Schreiben zu Herzen
nehmen sollte, und die im Movie-College nicht unerwähnt bleiben sollen. Und
es gibt vorbereitende und begleitende Arbeiten während des Schreibens, die
wir nach und nach an dieser Stelle vorstellen werden.
Wenn Sie
noch nicht genug Lebenserfahrung haben, „aus dem Bauch heraus“
Geschichten zu erzählen, dann nutzen Sie die Werkzeuge des Journalismus. Recherchieren
Sie am realen Leben, was sie in Ihrer Fiktion beschreiben möchten.
Schaffen Sie Hauptfiguren, die interessant sind. Besonders
wichtig ist, Ihnen etwas eindeutiges, individuelles zu geben. Was macht die
Hauptfigur besonders gerne? Wofür lieben ihre Freunde die Hauptfigur? Was
kann sie besonders gut, was überhaupt nicht? Wovor hat sie Angst? So wie
Sie über verschiedene Menschen in ihrem Umfeld (Freunde, Nachbarn, etc.)
Antworten auf diese Fragen haben, müssen Sie auch Antworten für Ihre
Drehbuchfigur finden.
Auch wenn die Versuchung noch so groß ist, versuchen Sie nicht alle
guten Ideen in ein einziges Buch hineinzupacken. Wählen Sie nur die
geeigneten und schreiben Sie die übrigen auf in Ihr Archiv. Sie haben
keines? Dann ist es Zeit, eines einzurichten. Das kann eine normale
Textdatei oder aber eine Datenbank sein. Dort können Sie unter
verschiedensten (möglichst eindeutigen) Überschriften Ihre Ideen
festhalten. Bei Ihren nächsten Büchern können Sie dann darauf
zurückgreifen.
Überarbeiten Sie bereits fertige Szenen immer wieder, bis sie
optimal sind. Im Prozess des Schreibens verändert sich die Perspektive auf
alle Szenen, auch jene, die in Ihren Augen bereits schon optimal aussahen.
Allerdings braucht man dafür ein wenig (zeitlichen) Abstand.
Optimal ist es, wenn man sich erlauben kann, das Drehbuch für einige
Wochen zur Seite zu legen, es zu vergessen und dann wieder daran zu
arbeiten.
Um den Leser bzw. Zuschauer zum Verbündeten zu machen, sollte dieser
möglichst rasch die Hauptfiguren kennen lernen und begreifen, worin deren Hauptkonflikte
und Absichten bestehen. Dann kann er leichter eintauchen in ihre
Welt und an den Wendungen der Figuren teilhaben.
Wichtig: Möglichst wenig sollte vorhersehbar sein. Überraschungen,
Unvorhersehbares halten den Zuschauer in einem wachen, interessierten
Zustand, was wohl als Nächstes geschehen könnte.
Drehbücher werden nicht von „normalen“ Literaturfreunden gelesen,
die sich ein Buch kaufen, und dann in ihrer Freizeit oder Abends darin
lesen. Sie werden von Menschen gelesen, die recht viele davon gestapelt auf
ihrem Schreibtisch liegen, und so gut wie keine überschüssige Zeit haben.
Wenn Sie möchten, dass diese Ihr Buch auch wirklich lesen, müssen Sie
dafür sorgen, dass bereits die ersten 5-10 Seiten den Leser fesseln.
Dafür ist wichtig, dass Ihr Drehbuch aufrichtig geschrieben ist und
möglichst frei ist von Unnötigem. Jede Szene soll, genau wie der spätere
Film, den Zuschauer mehr in die Geschichte hineinziehen und ihn neugierig
machen, wie es denn weitergeht.