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Paper Soldier
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120 Min. Russland 2008 Regie: Alexey German Jr., Drehbuch: Alexey german Jr., Vladimir Arkusha, Julia Glezarova, Musik: Fedor Sofronov, Kamera: Maxim Drozdov, Alisher Khamidhodjaev, Schnitt: Sergey Ivanov, Darsteller: Merab Ninidze, Chulpan Khamatova, Anastasya Sheveleva |
Auf einem trostlosen Gelände in Kasachstan der 60er Jahre wird die
erste bemannte Fahrt ins All vorbereitet. Daniel ist Arzt auf der Station
und betreut die zukünftigen Astronauten. Vieles geht schief und Daniel
leidet unter der Verantwortung. Ständig klagt er über Kopfschmerzen.
In einem Traum trifft Daniel seine verstorbenen Eltern. Sein Vater
vermutet, dass die Kopfschmerzen von dem inneren Konflikt kämen, etwas
anderes zu tun als es dem eigenen Naturell entspräche. Diese Krankheit,
der Konflikt, scheint allgegenwärtig und spiegelt sich auch in den
anderen Charakteren wider.
Das Wunschbild, dass die Sowjetunion groß und stark sei, existierte
damals noch in den Köpfen der Menschen und die Charaktere beschäftigen
sich viel mit der Glaubwürdigkeit und Zukunft dieser Ideologie.
Alexey German Jr. erhielt für "Paper Soldier" 2008 in
Venedig den Silbernen Löwen für die beste Regie, sowie den Hauptpreis
für die beste Kamera. Beides verdienter Weise. Bezeichnend sind sehr
lange Takes, in denen die Hintergrundinszenierung so präzise ist wie die
im Vordergrund. Der Ideenreichtum und die Phantasie des Regisseurs
scheinen unerschöpflich. Wo das Auge hinsieht, gibt es etwas zu
entdecken.
Vor dem ernsten Hintergrund erschafft German Jr. immer wieder humorvolle
und liebevolle Szenen. Seine Bilder haben etwas Poetisches. Nie ist ein
Raum einfach nur ein Raum. Ohne schwer zu wirken, wird "Paper Soldier"
auch mit Philosophie angereichert, die einen zeitlosen Charakter hat.
Alexey German Jr. und seine Kameramänner Maxim Drozdov und Alisher Khamidhodjaev haben einen reinen Stil entwickelt. Bei den Q&A´s nach der Filmvorführung mit dem Hauptdarsteller Merab Ninidze erfuhr man, dass dies u.a. an dem speziellen Drehverhalten lag. Tagsüber wurden die Szenen bis ins Detail geprobt und abends, zur blauen Stunde, die am Drehort nur einen halbe Stunde andauerte, wurde gedreht. Diese Entscheidung hat sich visuell bezahlt gemacht. Selten wurde eine karge, unbarmherzige Landschaft so schön und poetisch gefilmt.
Gesehen von Mareike Dobewall
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