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Melinda und MelindaFilmstart: 23. Juni 2005
Woody Allen, einer der originellsten und renommiertesten Filmemacher des Independent-Kinos der Gegenwart meldet sich mit "Melinda und Melinda" in den deutschen Kinos zurück. Die tragisch-komische Parabel zeigt, dass der mittlerweile 69-jährige noch lange nicht abgeschrieben werden darf. Ausgangspunkt seines neusten Streiches ist die Diskussion zweier befreundeter Paare in einem Restaurant in Manhattan über das Leben und ihre Einstellung dazu. Ist unser Dasein komisch oder tragisch? Um die Auswirkungen von Tragik oder Komik zu verdeutlichen, spinnen sie eine Geschichte um die junge Frau Melinda (Radha Mitchell), die als Beispiel heran gezogen wird und die Antwort liefern soll. Sie ist Kernpunkt der zwei Episoden. In der tragischen Variante sprengt die hypernervöse Melinda völlig verwirrt eine Dinnerparty ihrer Jugendfreundin Laurel (Chloe Sevigny), die einen Filmproduzenten beeindrucken will, damit dieser ihrem Alkoholiker-Ehemann Lee (Jonny Lee Miller) eine Rolle anbietet. Melinda flüchtete vor Mann, Sorgerechtskampf und einer desaströsen Affaire. Nun steht sie durch Alkohol und Pillen am Rande eines Abgrunds von dem sie durch Verkupplung gerettet werden soll. Doch sie verliebt sich in den schwarzen Pianisten Ellis (Chiwetel Ejiofor), der sie bald mit Laurel betrügen soll... Auch die komische Melinda platzt nach gescheiterten Beziehungen zunächst unter Schlaftabletten in eine Dinnerparty. Dieses Mal bei dem arbeitslosen Schauspielers Hobie (Will Ferrell) und seiner Frau, der erfolgreichen Independent-Regisseurin Susan (Amanda Peet). Auch in dieser Variation verliebt sie sich in einen Musiker. Dumm nur, dass Hobie vom ersten Augenblick an in Melinda verknallt war und erst nach der Trennung von Susan, die ihn ihrerseits betrügt, von ihrer neuen Beziehung erfährt... Rastlos werden wir in die zwei skurrilen Geschichten hineingezogen, die sich um die doppelte Melinda legen. Zusammen ergibt dies Mischung aus romantischer Komödie und Drama, wobei mit der Zeit den Grenzen verschwimmen. "Melinda und Melinda" ist ein Woody Allen-Film durch und durch: pointierte, messerscharfe Dialoge mit intelligentem Witz und gewohnt einzigartige Charaktere, die alle die ein oder andere Neurose pflegen oder sich in einer ganz intensiven ‚kreativen Phase' befinden. Seine schrägen Helden brauchen das Reden wie andere die Luft zum Atmen. Für Allen hat sich dieses Mal keine Rolle gefunden. Doch Hobie, der von Will Ferrell darstellt wird, ist ein Original. Der jüngere Ferrell ersetzt den Meister mit seinen Auftritten als liebestoller Tollpatsch in Würde. Die dominierende Person ist aber eindeutig die Titelfigur, deren doppelten Herausforderungen von der Australiern Radha Mitchell gemeistert werden. Doch es wäre kein echter ‚Allen', wenn nicht wieder karikiert oder bissig ironisiert werden würde. Dieses Mal geht es der eingebildeten New Yorker Intellektuellenschicht an den Kragen. Politische Unkorrektheit ist an der Tagesordnung: rauchen, trinken, lügen, betrügen, lamentieren … Weit weg erscheint Hollywood mit seiner sauberen Moral. Der New Yorker Stadtneurotiker hält dem wahren Leben einen Spiegel vor. Letztendlich ist klar, dass Komödie und Tragödie einander brauchen und kaum zu trennen sind. Nur eines verwundert: Woody Allen verpackt diese Feststellung in zwei nicht ganz ausgereifte Geschichten. Die treue Fangemeinde wird wieder voll auf ihre Kosten kommen und auch allen anderen Filmliebhabern werden sich die Mundwinkel nach oben ziehen. Gesehen von Kathrin Metzner
Die 2. Meinung:Ned Flanders hat es schon lange festgestellt: "Woody Allen? Ich mag seine Filme- bis auf den nervösen Typen, der da immer herumhampelt". Dieser Einsicht ist jetzt wohl auch Allen selbst erlegen, denn "Melinda und Melinda" ist einer der wenigen Filme, in denen er nicht selber mitspielt und über Gott und die Welt redet. Ansonsten ist dieser Film ein typischer Woody Allen wie die anderen auch, leider auch mit sämtlichen- soll man das jetzt Grundthemen oder Klischees nennen? Die New Yorker Intellektuellen sind grundsätzlich Arzt oder Schriftsteller (hier sogar noch in der unerhörten Variante "Regisseur"), sie alle reden viel und entlarven sich damit selber. Allens intellektueller Dialogwitz schrammt schon mehr als einmal an der
Kalauergrenze entlang ("Findest du, bei uns findet keine
Kommunikation mehr statt?" - "Natürlich findet Kommunikation
statt. Aber müssen wir darüber reden?"). Und wenn er schon
versucht, ein Thema auf zwei Arten zu variieren- was er ja durchaus witzig
und unterhaltsam macht-, dann hätte man sich doch noch mehr Konsequenz
gewünscht. Warum zum Beispiel ist der schwarze Pianist in der tragischen
Melinda-variante sehr dunkel mit Bart, und in der komischen eher
latinobraun? Ist ein wirklich "Schwarzer" nicht witzig- oder
darf man ihn nicht im komischen Kontext verwenden? Etwas mehr Radikalität
bei der Umsetzung des Variationsplots wäre nicht schlecht gewesen, da man
dann erst wirklich (und vielleicht auch ernsthaft) hätte vergleichen
können, ob der Melinda-Ausgangspunkt denn nun für eine tragische oder
eine komische Geschichte geeignet wäre. Gesehen von Johannes Prokop
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